Medikation bei Verhaltensproblemen -
Pillen für die gesunde Katze?                                 Seite 3 von 3

Es scheint unserem menschlichen Wesen angenehm zu sein, für Probleme eine möglichst bequeme Lösung anzunehmen, wenn uns diese vorgeschlagen wird. Gerade bei verhaltensauffälligen Katzen wird gerne nach der Behandlung mit einem Medikament - sei es schulmedizinisch oder alternativ - gerufen. Es klingt ja auch wunderbar einfach, man gibt der Katze eine Pille, Tropfen oder Globuli, und das Fehlverhalten wird behoben.

Ich möchte sehr davon abraten, Verhaltensprobleme mit Psychopharmaka, Hormonen, Homöopathie oder auch Bachblüten zu behandeln, ohne parallel eine professionell angeleitete Verhaltenstherapie durchzuführen. Es ist höchst bedenklich, dass viele Therapeuten ohne große Ursachenforschung nur Globuli gegen Verhaltensprobleme verordnen und dabei die viel wichtigeren nötigen Veränderungen des Umfelds und Umgangs komplett außen vor lassen.
Während alternative Medikamente häufig entweder vom Halter falsch ausgewählt werden oder auch einfach unzureichend sind, um allein eine dauerhafte Besserung zu bewirken, haben chemische Medikamente immer auch Nebenwirkungen oder Spätfolgen, die oft in keinem Verhältnis mehr zum Problem stehen. Gerade Hormonbehandlungen (auch Corticoide: Kortison wie z.B. Prednisolon, Methason) sind bei Katzen höchst riskant, daher sehr sorgfältig abzuwägen und nie als Allheilmittel zu betrachten. Auch neuere beruhigende Futtersorten sind mit besonderer Vorsicht zu genießen. Kapseln mit muttermilchähnlichen Inhaltsstoffen überraschen oft durch ihre völlige Wirkungslosigkeit.

Was all diese Mittel gemeinsam haben: Sie unterdrücken bestenfalls das Symptom, beheben aber i.d.R. nicht die Ursache. Weiterhin im Umfeld bestehende Stressoren können also durch keine Medikation abgeschaltet, sondern müssen gleichzeitig erkannt und behoben werden. Gleiches gilt auch für Pheromonpräparate, die meist wenig ausrichten können, so lange noch immer Stressoren vorhanden und einfach viel stärker sind.
Ein Psychopharmakon sollte höchstens als Ultima ratio angewandt werden, also wenn alles andere gescheitert ist. Damit sind keine Eigenversuche des Halters gemeint, sondern therapeutische Maßnahmen eines Verhaltensspezialisten. In Kooperation mit dem Tierarzt können Medikamente parallel zu einer Verhaltenstherapie kurzzeitig versucht werden. Aber bitte nie als schnelle "Lösung", um sich nicht erst um die wirklichen Ursachen des Fehlverhaltens bemühen zu müssen.

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"Man sollte nie zu einem Arzt gehen, ohne dessen Lieblingsdiagnose zu kennen."