Experte gleich Experte?
Problem ungeschützter Ausbildungsberuf (Seite 6 von 6)
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Unangenehm: Durch die Vorberichte vieler Klienten muss ich regelmäßig von untauglichen Anbietern erfahren. Der Beruf Tiertherapeut erlebt noch immer einen Boom, so dass Experten aller Art wie Pilze aus dem Boden schießen. Was grundsätzlich begrüßenswert erscheint, zumal ein verfeinertes Bewusstsein für den Umgang mit unseren Schützlingen geschaffen wird, kehrt sich in blanke Ernüchterung um, wenn hierbei nur noch Helfer auftauchen, die keine sind - und lediglich ein dickes Geschäft wittern. Kurzsichtige Schnelltipps werden zur Norm.

Ob lax erfragte Anamnesen, fehlende Diagnosestellung, ineffektive Methoden, unglaubliche Fehlbewertungen oder ziellos angebotene Heilmittel, die sich die Katzen selbst aussuchen müssen - in den mir zugetragenen Vorgeschichten führen viele Wege nach Absurdistan. Da unser Berufsfeld nicht staatlich kontrolliert wird, können sich Geschädigte nicht mal an eine Kammer wenden, um Beschwerde einzureichen. Vom TV werden genau solche Anbieter auch noch unterstützt (siehe auch OUR CATS 8/13 + 9/14). So werden viele frustrierte Tierhalter eben kein zweites Mal einen Experten beauftragen; vom überteuert "therapierten" Haustier ganz zu schweigen.

Papier ist bzw. Webseiten sind geduldig. Doch wem hilft es, wenn einer bloß die Texte des anderen kopiert und trotzdem mangelhaft in der Leistung ist? Verschweigt der Experte seinen Ausbilder/die Abschlussnote, hat er dafür meist einen guten Grund. Autodidaktisch erworbenes Wissen mag für simple Probleme genügen, doch was ist bei komplexen Verhaltensstörungen? Und selbst Absolventen renommierter Institute können mangels medizinischer und psychologischer Vorbildung wie auch durch fehlende Einfühlungsgabe mit grandioser Inkompetenz glänzen. Weil es keine einheitlichen Vorgaben gibt, arbeitet letztendlich jeder anders. Wird der Tätigkeit nur nebenberuflich oder ehrenamtlich nachgegangen, sind Professionalität und Qualität noch weniger gesichert.

Bleibt zu hoffen, dass sich Hilfesuchende darüber im Klaren sind, dass es gerade in freien Berufen solche und solche gibt. Es macht Sinn, sich im Vorfeld über die tatsächliche Qualifikation und Leistung eines Experten zu informieren, z.B. bei seinem Ausbilder und auch bei Tierhaltern, die ihn bereits beauftragt hatten. Und obwohl es keine Erfolgsgarantien gibt und die Prognose manchmal nur mäßig ist: Wem nicht wirklich geholfen wurde, wen Niveau oder Umfang der Leistung ernüchterte, der sollte zumindest darüber nachdenken, ob es nicht doch am Therapeuten gelegen haben kann. In diesem Sinne, bleiben Sie wachsam.

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